Waldkindergarten: Die Sache aus anderer Sicht

Dass seit Amtsübernahme des neuen Bürgermeisters parteipolitische Interessen im Umgang mit ihm und der Stadt dominieren, anstatt Sachpolitik zu betreiben, ist nichts Neues.
Wie tief man hierbei mittlerweile gesunken ist, kann man nur erahnen, wenn man sich die politische Posse vor Augen führt, welche sich um die geplante Errichtung des Waldkindergartens in Stadtroda abzeichnet.
Auf der einen Seite haben wir das Bemühen der Stadt Stadtroda, ihren nachweislichen Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen mit Fördermitteln des Bundes in Form eines Waldkindergarten Rechnung zu tragen und die Stadt für junge Familien attraktiver zu gestalten. Wir reden hier derzeit von 22 interessierten Eltern, die an einer naturnahen Betreuung ihrer Kinder interessiert sind.
Auf der anderen Seite haben wir einen Verein, der sich einer Zusammenarbeit aus nicht nachvollziehbaren Gründen verweigert. In der Öffentlichkeit präsentiert man sich derweil als Opfer.
Dabei muss man dem Vorstand des CVJM den Vorwurf machen, die Kündigung des Pachtvertrages selbst verschuldet zu haben. Anstatt mit der Stadt ehrlich zu verhandeln, sucht man die Unterstützung lokaler Politiker und bemüht einen Anwalt.
Fakt ist, dass die Stadt nach den ersten Entwürfen und Planungen 2019 frühzeitig das Gespräch mit dem Vorstand des CVJM gesucht hat, um in der ersten Form die Errichtung einer Schutzhütte auf einen kleinen Teilstück des Geländes realisieren zu können.
Nach anfangs positiven Verlautbarungen von Seiten der unteren Baubehörde kam, auch für die Stadt überraschend, im März die Aussage, dass dies im Außenbereich nicht genehmigt werden kann.
Grundsatzurteile zu ähnlichen Fällen bestehender Waldkindergärten wurden nicht anerkannt.
Vor dieses Problem gestellt, suchte die Stadt nun die Möglichkeit zu erörtern, die bestehenden Gebäude gemeinsam mit dem Kindergarten nutzen zu können. Leider wurde dieses Ansinnen vehement abgelehnt.
Nach den beiden OTZ-Artikeln vom 04.05.21 und vom 17.05.21 entsteht in der Öffentlichkeit leider ein sehr einseitiges und unzureichendes Bild der Situation, wird doch hier nur der Standpunkt des CVJM wiedergegeben. Um es noch einmal zu betonen, es gab nie Pläne vom Seiten des Bürgermeisters als auch des zukünftigen Trägers BLITZ e.V., den CVJM von dem Gelände zu verdrängen. Der Grundtenor war stets, in Kooperation gemeinsam mit dem Verein das Gelände bzw. die Gebäude zu nutzen.
Da die Fronten mittlerweile derart verhärtet sind und die Bereitstellung von Kinderbetreuungsplätzen eine Pflichtaufgabe der Stadt ist, sah man keine andere Möglichkeit, als den Pachtvertrag aufzukündigen. Im Ergebnis der von mir geführten Gespräche und in Erkenntnis der vielfältigen Ereignisse ergibt sich der Eindruck, dass man an einer einvernehmlichen Lösung nicht interessiert ist. Wer hierbei auf die Unterstützung von Seiten des Landkreises gehofft hat, sieht sich ebenfalls enttäuscht.
Nunmehr hat sich der Fall zu einen Politikum hochgeschaukelt und vermischt Einzelinteressen des CVJM mit kommunalpolitischen Zwistigkeiten.
Und um es mal klar zu sagen, die Stadt schuldet den CVJM keine Antwort, denn erst die unsinnige Blockadepolitik des Vereins hat den Zustand herbeigeführt, den wir jetzt haben.
Dennoch ist der Bürgermeister und der BLITZ e.V. weiter an einer einvernehmlichen Lösung interessiert, allerdings ist es zum jetzigen Zeitpunkt unmöglich, in das laufende Klageverfahren einzugreifen.
Nach Abschluss dessen besteht aber die Möglichkeit, über einen Verbleib des CVJM auf den Gelände der Freizeit-Ranch neu zu verhandeln. Es wäre schön, wenn der Verein bis dahin seinen Standpunkt nochmal überdenkt und so zu einer Lösung des Konfliktes beiträgt.

Ingolf Weiß
Stadtrat

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